LAGERFEUER

Leg dein Holz ins Feuer, aber schütze deine eigene Wärme.


Manchmal besteht Heilung nicht darin, weiter Holz nachzulegen.

Manchmal besteht Heilung darin, das eigene Feuer zu sehen und die eigene Wärme zu schützen.

Zu erkennen, dass die eigene Energie zählt.

Dass das Leben dort am schönsten brennt, wo Geben und Nehmen sich begegnen.


Diese Erkenntnis wurde mir durch die Aufarbeitung meines Burn-out‘s sehr bewusst.

Lange hatte ich alles gegeben.

Ob in der Arbeit, in Beziehungen, in die Fürsorge für andere…

Ich war immer diejenige, die Holz ins Feuer legte, damit die Flamme brennt, damit Wärme da ist.

Ich gab und gab, ohne zu merken, dass ich selbst innerlich immer mehr erfriere und dass mein inneres Holz knapp wird.


Dann tauchte mir, bei einem Spaziergang plötzlich ein inneres Bild auf, das einerseits sehr schmerzte, aber zugleich alles in mir zum Verändern brachte.

Ich sah mich um ein Lagerfeuer sitzen. Die Flammen tanzten, sie loderten, wärmten und spendeten Licht.

Gegenüber sass eine Person.

Rundherum war Wärme. Licht. Zuneigung und Leben.


An beiden Seiten lagen Holzscheite bereit. Viel Holz.

Anfangs griffen wir beide automatisch danach, legten Scheit um Scheit ins Feuer, ohne zu zählen, einfach damit die Flamme weiter brannte und uns Freude, Licht und Wärme schenkte.


Doch nach einer Weile änderte sich etwas und mir wurde bewusst:

Die Flamme brennt ja nur noch, weil ICH sie nähre.

Alles fliesst von mir hinein.

Hoffnung.

Liebe.

Energie.

Licht.


Die andere Seite sitzt nur da, leicht abgewandt, aber noch da und geniesst das Licht und die Wärme.

Mein Holz wird immer knapper.

Meine letzten drei Scheite liegen vor mir, während auf der anderen Seite die Scheite unberührt bleiben.


Und plötzlich durchzog mich diese Erkenntnis wie ein Lichtstrahl in der Dämmerung:

Wenn ich auch diese letzten drei Scheite ins Feuer lege, ohne dass von der anderen Seite etwas kommt, erlischt nicht nur die Flamme.

Nein. Ich erfriere innerlich.


In diesem Moment hörte mein Körper auf zu kämpfen.

Das Nervensystem kam urplötzlich zur Ruhe.

Ein innerer Druck und Halten löste sich in mir.

Tränen flossen.


Kein Drama. Kein Groll.

Nur noch stille Klarheit.

Endlich konnte ich auch körperlich ausatmen und loslassen, was ich so lange mit Hoffnung zur Veränderung halten versuchte.


Ich durfte plötzlich mein eigenes Feuer wieder sehen.

Mich wieder sehen.


Ich muss nicht alles geben, um das Licht zu bewahren.

Ich darf mich einem Feuer zuwenden, das auch mich nährt.

Dort, wo Menschen, Situationen, Räume im Wechsel Holz ohne Forderungen und Bedingungen nachlegen.

Wo Geben und Empfangen, Wärmen und Leuchten lassen.


Dieses Bild endet nicht bei der Freundschaft oder Liebe.

Dies gilt für jeden Bereich des Lebens:

Für die Arbeit. Familie. Kreativität. Den eigenen Körper.


Überall dort, wo ich einseitig gebe, beginnt das innere Holz zu schwinden.

Dann brennt nicht das Leben.

Sondern ich verbrenne mich dadurch selbst.


Die Wahrheit, die mein Burn-out mir lehrte:

Mein Feuer ist wertvoll.

Meine Wärme zählt.

Und es ist ein heiliger Akt, sie zu schützen, damit ich nicht ausbrenne.


Ich habe gelernt, mein Feuer zu ehren und nur dort zu schenken, wo es auch erwidert wird.

Nie wieder, wede ich es zulassen so auszubrennen.


„Schütze dein Feuer. Schenke es dort, wo es auch erwidert wird.“


Meine Erkenntnis:

 „Diese Verbindung/Situation hat mich an meine Grenzen gebracht und genau dort bin ich gewachsen.“